Erotische Formate im Fernsehen bewegen sich oft in einem Spannungsfeld zwischen Unterhaltung, gesellschaftlichen Erwartungen und Jugendschutz. Mit "Maison Tabou" wollen RTL+ und RTLzwei einen anderen Ansatz ausprobieren: Nicht das klassische Kennenlernen bei langen Gesprächen steht im Vordergrund, sondern die Frage, was passiert, wenn sich Menschen zunächst über körperliche Anziehung und Intimität begegnen. Dabei achtet die Produktion darauf, keine Inhalte zu zeigen, die im frei empfangbaren Fernsehen problematisch wären.
Kann aus einer Nacht eine tiefere Bindung entstehen?
Das zentrale Thema der Sendung dürfte vielen aus dem eigenen Leben bekannt vorkommen: Entwickelt sich aus einem einmaligen sexuellen Erlebnis vielleicht mehr? Nach einer gemeinsamen Nacht stellt sich möglicherweise die Frage, ob neben der Anziehung auch Gefühle oder eine echte Verbindung vorhanden sind. Die Produktion formuliert es als Experiment: Können Menschen einander näherkommen, wenn übliche Dating-Regeln, Erwartungen und Rollenbilder zunächst keine entscheidende Rolle spielen?
So funktioniert das Konzept
Ankunft ohne echte Identität: Die Kandidatinnen und Kandidaten beziehen ein Zimmer in einer hotelähnlichen Kulisse. Beim Einchecken lassen sie ihren bürgerlichen Namen und ihr gewohntes Leben bewusst außen vor. Stattdessen treten sie unter Pseudonymen auf.
Begegnung und Annäherung: Nachdem die Beteiligten etwas über ihre Wünsche, Vorlieben und Vorstellungen erzählt haben, bereiten sie sich auf das Treffen vor. Dazu gehören teilweise Kostüme oder fetischbezogene Kleidung. Anschließend werden sie mit einer anderen Person zusammengebracht, wobei die Suche nach Nähe und gegenseitiger Anziehung im Mittelpunkt steht.
Frühstück mit Auflösung: Erst am Morgen danach treffen die Paare beim gemeinsamen Essen ohne die zuvor geschaffene Anonymität aufeinander. Dann werden die wahren Namen und Hintergründe enthüllt - teils auch ganz buchstäblich, wenn Verkleidungen oder Masken abgelegt werden. Danach entscheiden beide Seiten, ob sie in Kontakt bleiben und ihre Begegnung fortsetzen möchten.
Sexpositive Themen für ein breites Fernsehpublikum
In der ersten Folge begegnen sich sehr unterschiedliche Menschen und Sichtweisen. So beschreibt sich der 30-jährige, sportliche Brasilianer Ray als pansexuell: Für ihn sei nicht das Geschlecht ausschlaggebend, sondern der Mensch selbst. Aurora, 36, betont dagegen, dass sie Sinnlichkeit und Vertrauen brauche und bloße Oberflächlichkeit nicht suche. Sie trifft auf Noel, 28, der nach eigener Aussage eher reifere Partnerinnen bevorzugt. Bei ihrer Begegnung spielen unter anderem Augenbinde und Peitsche eine Rolle.
Damit bringt "Maison Tabou" Ideen des bislang eher nischigen sexpositiven Umgangs mit Sexualität in ein Massenmedium. Im Fokus stehen der Abbau von Scham, ein respektvoller Umgang mit verschiedenen Orientierungen sowie Einvernehmlichkeit. Sexualität wird in diesem Verständnis nicht als etwas Anrüchiges dargestellt, sondern als persönlicher und natürlicher Bereich, der ohne Schuldgefühle gelebt werden kann.
Entscheidend ist dabei: Sämtliche Begegnungen sollen auf dem freiwilligen und jederzeit zurücknehmbaren Einverständnis aller Beteiligten beruhen. Unterschiedliche Identitäten, Beziehungsmodelle, Kinks und Fetische werden grundsätzlich als gleichwertig behandelt. Ob das Format für das Publikum tatsächlich erotisch wirkt oder ob die Kandidatinnen und Kandidaten Interesse an mehr wecken, bleibt letztlich eine sehr individuelle Frage.
Sender hält sich bei Details noch bedeckt
Wie viele Episoden von "Maison Tabou" geplant sind, möchte RTLzwei zunächst nicht offenlegen. Ein Sprecher des Senders erklärte, die konkrete Anzahl der Folgen werde derzeit noch nicht kommuniziert. Zu Beginn seien Begegnungen zwischen Frauen und Männern vorgesehen. Im weiteren Verlauf könnten sich jedoch durch die Dynamik innerhalb der Gruppe auch andere Konstellationen und Begegnungen ergeben, die über das anfängliche Paarprinzip hinausgehen.
Diskreter Versand 
